La premiata ditta
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Grazie per l’aperitivo.

La premiata ditta, Weinbergsweg, 10119 Mitte.

 

 

Kantine Kohlmann
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Käthes Happen

Wenn man über 30 Jahre alt ist, dann sehen Abende mit einem guten Freund anders aus als früher. Alkohol spielt nach wie vor eine Rolle. Allerdings haben sich die Flaschen in Form und Inhalt geändert; und man benutzt jetzt Gläser. Und glücklicherweise gehört gutes Essen auch dazu. Dabei lässt es sich dann leidenschaftlich debattieren oder zufrieden schweigen. Eine fabelhafte Umgebung für solch einen Abend ist die „Kantine Kohlmann“ in Berlin Kreuzberg.

Nach einem dreiviertel Jahr längst kein Geheimtipp mehr, ist es dort angenehm entspannt, unprätentiös. Und die Spezialität des Hauses, die verschiedenen Happen, lassen sich gut miteinander teilen und darüber fachsimpeln. Die Atmosphäre ist angenehm, man kann in die Küche schauen, und zu romantisch ist es auch nicht. (…)

Weiterleisen bei Rosegarden. 

Kantine Kohlmann

Foto: Kantine Kohlmann

„Ein Abend mit…“ heißt meine Rubrik beim Magazin Rosegarden rund ums Kochen, Essen und Trinken. Denn jeder Abend ist anders. Ob beim Käsebrot mit der dritten Staffel Sherlock zuhause, bei einem Familienfest im Wirtshaus oder mit der Freundin im hochdekorierten Restaurant. Klar ist nur: Eigentlich gehört doch zu jedem Abend gutes Essen und gutes Trinken.
CookiesCream
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Stinkendfad

Das Magazin Rosegarden” beschäftigt sich mit vielen guten Dingen. Und ist bunt. Und es gibt Tiere. Und seit dieser Ausgabe gibt es dort auch eine kleine Rubrik zum Thema Essen.

“Ein Abend mit…” kann der Abend mit guten Freunden in der Eckkneipe, das Familienlieblingsweihnachtsessen oder das alleine Zuhause gebratene und in der Küche im Stehen verzehrte Steak sein. Hauptsache es hat mit gutem Essen zu tun. Und die erste Folge handelt vom Abend mit ehrlichen Freunden im Cookies Cream.

Ein Abend mit . . .  ehrlichen Freunden.

Wie beschreibt man eigentlich ein Essen? So wie der Gault Millau, der wenig stilistische Fortschritte im etablierten Baukastensystem des besuchten Restaurants entdeckt oder eher wortkarg wie der fränkische Besucher am Nachbartisch: „Bast!“? Mein Freund Schorsch stellt sich diese Fragen nicht. Oder aber er hat sie sich bereits eindeutig beantwortet.

Und so lautet seine Antwort auf die Frage der Kellnerin, wie es geschmeckt habe, ebenfalls recht eindeutig: „Stinkendfad“. Nicht nur fad, das sei bemerkt, nein, stinkendfad. Auch wenn das Rechtschreibprogramm behauptet, dass es das Wort nicht gibt, Schorsch ist Ehrenösterreicher und als solcher wird er das schon wissen.

Stinkendfad, sagt er, und im Cookies Cream wird es ruhig. Selbst der Schriftzug „Ficken“, der von einer Seitenwand herab konstant dunkel in den Raum schreit, flackert kurz und geht dann aus. In der Küche lassen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit alle Kochgehilfen und Köche ihre Löffel oder was auch immer fallen und an unserem Tisch halten wir inne…

Wie der Abend weiterging?

Hier entlang zu Rosegarden.

Cookies Cream

Foto: Cookies Cream. Besten Dank dafür.

Toucan sur Mer
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L’ etrille s’excuse

Wir haben so einiges an diesem Brüsseler Abend nicht gleich gemerkt. Dass der Krebs unentschuldigt fehlte. Dass die erzählwütige Frau am Nebentisch sich munter an unserer Weinflasche vergriff. Dass eine rohe Miesmuschel vielleicht doch keine so gute Idee ist und keiner mehr als 15 Meeresschnecken binnen drei Stunden verspeisen kann.

Ein Abend im Toucan sur Mer

Dabei hatte der Abend im Toucan sur Mer mit beachtlich hoher Aufmerksamkeit begonnen. Jede vorab online betrachtete Speise wurde schon beim Apéritif in der OenoTK  genauestens analysiert und diskutiert. Jedes Einrichtungsdetail der freundlich-maritimen Atmosphäre des Restaurants registriert. Und nun, auch die vielen verstohlenen Blicke auf die Nachbarstische und ihre in beeindruckender Zahl angetretenen Meeresfrüchteplatten sprechen doch für eine hohe Konzentration auf die Sache.

Das Schwinden der Aufmerksamkeit und damit auch die Ignoranz gegenüber unentschuldigten Abwesenheiten war in der Rückbetrachtung nicht alleine der schönen Gesellschaft geschuldet. Denn auch von der wunderbaren Vorspeise, Tartare d‘Avocats aux Crevettes Grises et Pamplemousse, konnte man wahrhaft abgelenkt sein. So abgelenkt übrigens, dass die übrigen auf dem Tisch anwesenden Vorspeisen das Kurzzeitgedächtnis nach allerkürzester Zeit wieder verließen.

Viel Tamtam für die Meeresfrüchte

Die Hauptspeise dann vernebelte die Aufmerksamkeit wohl gänzlich: Mit großen Tamtam hielt die Meeresfrüchteplatte in der Ausführung für vier Einzug auf unserem Tisch. Angesichts der durchaus beachtlichen Menge roher Meeresbewohner stürzten wir uns zunächst auf Altbewährtes: Garnelen und Crevetten, kleine und große Austern. Dann aber ging die Reise weiter zu einer erstaunlichen Zahl unterschiedlicher Muschelsorten: Clames und Praires lagen hier neben Palourdes und Amandes.

Fantastisch! Die rohen Miesmuscheln und ihr kräftig-rotes Fleisch fanden wir eher gewöhnungsbedürftig, ausgewiesene Liebhaber suchten sie daher in unserer Runde vergeblich. Eine Amour fou hingegen entwickelten wir mit den Meeresschnecken, Bigorneaux und Bulots. Ob die Zuneigung ihren Ursprung allerdings im Eiweiß-ähnlichen Geschmack, der bezaubernden Form oder dem zarten „Plopp“-Geräusch beim Auslösen hatte, konnte spätestens nach der zweiten Flasche Wein nicht mehr abschließend geklärt werden.

Moment mal. Der Wein gehört uns.

Denn dass sich die eingangs erwähnte Madame an unserer Flasche Menetou-Salon „Le clos de pressoir“ von Joseph Mellot vergreifen wollte, könnte durchaus an dem leckeren Tropfen liegen. Oder vielleicht daran, dass es auch mit ihrer Aufmerksamkeit nicht mehr zum Allerbesten stand. Unser Nachtisch zwischen Eton Mess und Mousse au Chocolat dann war anständig, aber geben wir es zu: Nach dem Meeresfrüchte-Haufen nicht mehr unbedingt eine längere Erinnerung wert. Erinnern werden wir uns aber an die hohe Qualität der Speisen (zu leider nicht unbedingt niedrigen Preisen), die überaus aufmerksamen Kellner und die schöne Atmosphäre.

Erst als wir den Abend ausklingen ließen, fiel übrigens in der abschließenden Betrachtung der Speisekarte auf, dass uns die Etrilles, also die Krebse, leider vorenthalten wurden.

Aber vermisst haben wir sie eigentlich nicht.

Fremde Federn: Vielen Dank an Christiane, die mit uns das Meeresgetier genossen und als kleines Andenken diesen Text verfasst hat.

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EU mal ohne Krise: Essen in Brüssel.

Die Kisten sind gepackt. Au revoir Bruxelles. Zeit für eine kleine Inventur. Übrig bleiben einige Delhaize-Tüten, ein angebrochenes Glas Spekulatius-Creme, eine halbe Flasche Wein (das sollte aber kein Problem werden) und das ein oder andere Kilo – angesichts der vielen guten Restaurants hier. Welche uns ans Herz gewachsen sind?

Diese hier!

Im Frühjahr 2011 hat das Neptune (Rue Lebroussart, Ixelles) aufgemacht. Ein französischer Koch aus dem Haute Savoie hat sich seinen Traum vom eigenen Restaurant verwirklicht. Nur wenige Tische, ein tolle und entspannte Einrichtung – und vor allem: eine Fusionküche mit Produkten aus Haute Savoie und Belgien. Es gibt nur ein Menü, fünf Gänge für 38 Euro und wählen kann man nicht. Also nichts für Vegetarier oder Menschen mit klaren Vorlieben und Abneigungen. Für alle anderen: Ein toller Abend. Wie immer gilt: Unbedingt reservieren.

Weniger neu, aber einfach gut ist La canne en ville (Rue de la Reforme, Ixelles). Seit 1983 empfängt Corinne Noël hier ihre Gäste. Und das sehr herzlich und bei einer französischen-modernen Küche (und einem Händchen für tolles Fleisch). Im Frühling und Sommer scheint die Abendsonne perfekt auf die wenigen Tische vor dem Restaurant.

Nein, auf afrikanische Küche hatten wir keine Lust. Deshalb blieben wir dem Viva m’boma eine gute Weile fern. Bis wir gelernt haben: Viva m’boma ist der alte Brüsseler Dialekt und bedeutet “Es lebe die Oma”. Und dann sind wir hin. Eine ehemalige Metzgerei, eine “originale” Chefin und schwere, belgische Küche. Wildschweinzungenterrine als Vorspeise, danach gibt’s Onglet mit Zwiebeln. Oder auch Stoemp mit Saucisses. Eher was für den Winter. Und eher was nach einem Tag harter Arbeit auf dem Feld. Aber: Modernes Ambiente für traditionelle Speisen. Hingehen.

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Über das Bonsoir Clara (Rue Dansaert, Bruxelles) haben wir schon geschrieben. Und auch am Ende der Zeit bleibt es ein wirklicher Tipp.

Und ja, bitte auch: La Cuisine (moderne französische Küche mit leichtem asiatischen Einschlag), das Pilzrestaurant Café des Spores (zum Beispiel mit einem Hauptgericht aus Shitakepilzen, Chorizo und Graupen) oder auch das kitschig-sympathische Au vieux Bruxelles.

Was gehört noch zum Essen in Brüssel? Natürlich die Märkte, vor allem auf dem Parvis St. Gilles (Samstags bis 14 Uhr) oder auf dem Chatelain (allerdings eher, um dort Wein zu trinken – Mittwoch abends). Dazu die Fritten am Place Jourdain, doch noch ein Tick besser als am Place Flagey. Und laut New York Times die besten Fritten der Welt. (Allerdings – so richtig Ahnung haben die Amis davon ja auch nicht). Die Sauce bitte à part bestellen und dann in die Sonne setzen oder in eine der Kneipen gehen. Dann die Meeresfrüchteplatte im Toucan sur Mer. Dazu später mehr.

Und auf der Liste der unbesuchten Restaurant bleiben noch das Chou am Place de Londres, das En face du parachute, das le monde est petit. Aber dann kommen wir halt noch einmal wieder.

Denn nicht vergessen: Cuisiner est un acte d’amour.

Bonsoir Clara
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Essengehen bei Bonsoir Clara

Wer Clara eigentlich ist, weiß man nicht. “Chacun donnera sa propre interprétation selon son imagination, sa créativité, son humeur de moment.”, heißt es im Restaurant. Na dann mal schauen. Wir sind gespannt.

Das Restaurant liegt in der Rue Antoine Dansaert, Heimat zahlreicher Modeläden, international geprägt und so hört man auch viel Englisch an den Tischen, die alle besetzt sind. Das Publikum eher jünger, aber eigentlich gut gemischt. Und auch wenn viel los ist: Der Empfang nett, der Service recht zügig.

Die Speisen sind modern-französisch, mit teilweise asiatischen Einflüssen, was ja nicht immer gut gehen muss. Die Lachsvorspeise schmeckte zum Beispiel eher wie ein lahmes Sushi. Vielleicht lässt man sich aber auch irreleiten, weil auf Französisch immer alles so lecker klingt: “Déclinaison de dos de saumon en trois façons, bourrache de jeunes pousses et sauce à la poudre de wasabi”.

Klassisch, ohne Schnickschnack, aber ziemlich perfekt ist dagegen die Foie gras de canard en terrine mariné à la vanille, mit Toast und einem Chutney aus Feigen und Zwiebeln. Die Amerikaner am Nebentisch schauen etwas irritiert, aber da müssen sie durch.

Und auch bei den Hauptspeisen gab es für den Berliner in uns nüscht zu meckern, wa. Ente mit Orangensoße, der in Brüssel unvermeidbare Chicorée und PDT croustillantes. Unser Lerneffekt – PDT auf der Speisekarte steht nicht für Pacific Daylight Time oder photodynamische Therapie sondern für pomme de terre. Aha.

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Danke für die Fotos (CC).

Lecker auch: Lammkarré mit Auberginenkaviar, dazu klassisches Gratin dauphinois und Tomate mit Knoblauchpürée. Alles auf den Punkt, alles gut, vielleicht fehlt ein bisschen Würze.

Das Moêlleux au chocolat als Nachtisch ist so, wie man es sich im französisch geprägten Restaurant erhofft. Aber auch die Mango-Charlotte mit Kokosespuma konnte da locker mithalten.

Das Fazit? Wenn Reiseführer und Zeitschriften ein Lokal als “angesagt” beschreiben, ist das oft eher ein Grund, es zu meiden. Aber manchmal geht das auch einfach wieder vorbei und das Restaurant bleibt, was es war. Für uns ist Clara eine moderne Belgierin, recht schick, nicht abgehoben,  die vor allem in einer wunderschönen Wohnung wohnt – und die man nochmal besuchen wird.

Na dann, Clara, bonne fin de soirée!

Bonsoir Clara, Rue Antoine Dansaert 22-26, 1000 Bruxelles. Die Preise sind so, wie sie hier eben oft sind. Drei Gänge, Wein, Wasser und Espresso für zwei Personen machen rund 140 EUR aus.