Ok. Heut geht es um Erinnerungsessen. Oder so. Eine sentimental journey schlägt „1x umrühren, bitte“ vor. Dort heißt es:
„Jede(r) von euch wird das schon einmal erlebt haben. Ein bestimmter Geruch, eine Melodie, ein Satz, eine Szene und schon katapultiert euch die Erinnerung zurück: weit weg, in die Kindheit, die Jugend, das frühe Erwachsenenalter; in Zeiten, verbunden mit süßen und herben Momenten und diesem ganz speziellen, einmaligen Gericht, dieser einen Speise, die unbedingt dazu gehört.“
Das klingt gut. Und so machen wir uns dran. Eine Reise zurück zu einem Sonntagnachmittag am See. Das Fahrrad liegt achtlos hingeworfen im Garten, drei Detektivbücher neben der Hängematte und im Walkman ist Bandsalat. Einziges Kleidungsstück für die nächsten Wochen ist die Badehose. Sommerferien. Zum Frühstück eine Butterbrezel und Kakao. Und dann irgendwann am Nachmittag kommt auch der passende Geruch zum Sommer: Träubleskuchen.
„Träublesdings – wasdasn?“ fragt die westfälische Freundin.
Das ist ein schwäbischer Johannisbeerkuchen. Und entgegen unserer sonstigen Gewohnheit, gibts die Zutaten heute mal mit exakten Mengenangaben.
So oifach ischs gmacht: 200g Mehl und 1 TL Backpulver sieben, mit 125g Butter, 100g Zucker, 2 Eigelb und etwas abgeriebener Zitronenschale zu einem Mürbteig verrühren. Ungefähr 30 Minuten kaltstellen, dann ausrollen und ab in eine Springform. Nun bei mittlerer Hitze ungefähr 25 Minuten backen, bis er schön goldbraun ist.
In der Zwischenzeit 2 Eiweiß steif schlagen, dann 30g Zucker und 1 TL Stärkemehl dazugeben, noch mal ein paar Minuten weiter schlagen. Danach die Johannisbeeren vorsichtig darunter heben. Das gibt eine Riesensauerei. Früher hat man das irgendwie nicht mitgekriegt. Die Masse kommt dann auf den Kuchenboden drauf und wird nochmal gebacken, ungefähr 10 Minuten. Fertig.
Ein Tipp: Wenn die Johannisbeeren vom Bauern des Vertrauens sind, nicht waschen! Sonst suppt der ganze Kuchen durch. Falls sie doch gewaschen werden, kann man auf den Kuchenboden etwas gehackte Mandeln geben, das stabilisiert.
Das Rezept stammt ursprünglich aus einem alten schwäbischen Kochbuch, immer wieder leicht umgewandelt von der Familie. Selbst gebacken noch nie. Aber fürs Kochevent. Und: Lecker wars. Danke für die Zeitreise. Nur die Badehose fehlte – und der Walkman heißt heute iPod.





3 Antworten bis hierher ↓
Barbara // August 3, 2008 um 1:36 |
Träubleskuchen – schön!
Ich habe jetzt so richtig Lust auf Baden im See bekommen, ohne Bandsalat, mit Detektivgeschichten und dem Kuchen. Das wär’ was… :-)
Jutta // August 3, 2008 um 5:15 |
Ich habe zu danken für die schöne Reise, die Du zum Event beiträgst.
Hach ja, der Träubleskuchen, der hat was. Eben habe ich noch in Thaddäus Trolls Aufklärungsbuch auf Schwäbisch geblättert und mich schief gelacht und nun gibt es zum Nachtisch auch noch schwäbische Torte – super!
Was machen Barbara und ich eigentlich am See??? Ich glaube, auch sie hat, genau wie ich, keine Badehose parat ;-))
zorra // August 4, 2008 um 11:27 |
Ich kann den Kuchen und den Trübelikuchen richtig riechen. :-)